Wie funktioniert das?

Altersklassen

Cinecheck warnt Eltern und Erzieher davor, bis zu welchem Alter ein Film schädlich für Kinder sein kann. Hierzu nutzt Cinecheck die Angabe eines Alters, gefolgt von Piktogrammen, die den Grund für die Empfehlung angeben.

Aber was bedeuten die Einstufungen AA, 6, 9, 12, 14, 16 und 18 Jahre?

AA

Die Alterskategorie „AA” (Alle Altersklassen) bedeutet, dass ein Medienprodukt keine schädlichen Elemente enthält.

+6 

Potenziell schädlich für Kinder bis 6 Jahre.


In der Alterskategorie 6 können u. a. leichte Gewalt, Androhung von Gewalt, Verletzungen oder Bilder von bedrohlichen Wesen, Monstern oder Gespenstern vorkommen. Beispiele für diese Kategorie sind Cars 2 und Findet Nemo. 
 
Die Alterskategorie 6 wurde entwickelt, um junge Kinder vor bestimmten angsterregenden und gewalttätigen Medieninhalten zu schützen. In der Literatur ist allgemein anerkannt, dass Kinder bis sieben Jahre in den Medien nicht richtig zwischen Realität und Phantasie unterscheiden können Davies, 1997).
 
Kinder unter sieben Jahren können von Zeichentrick- oder Animationsfilmen genauso übermäßig gestresst und aggressiv werden wie von Filmen mit echten Menschen (Valkenburg, 2008). Deshalb erhalten Zeichentrick- und Animationsfilme, in denen bestimmte Arten von Gewalt vorkommen, durch Cinecheck die Altersangabe 6. Kinder unter sieben Jahre sind sehr visuell orientiert und können durch eine bestimmte Kategorie von Bildern Angst bekommen (Cantor, 2001). Das sind Bilder von Phantasiewesen oder Tieren, die sich bedrohlich verhalten oder bedrohlich aussehen, von Transformationen (wie Hulk oder Power Rangers) und Bilder von Tieren oder Kindern, die körperliche Gewalt erfahren. Deshalb fallen auch diese Arten von Bildern unter die Einstufung 6 Jahre.

+9

Potenziell schädlich für Kinder bis 9 Jahre.

In der Alterskategorie 9 können u. a. Gewalt gegen Kinder oder Tiere, schwache Gruseleffekte, menschliche Leichen und Opfer von Unfällen oder Krankheiten vorkommen. Beispiele für Filme in dieser Kategorie sind Der Gruselbus und Paranorman.
 
Nach dem Vorschulalter haben Kinder im Allgemeinen ein besseres Verständnis für Filmbilder, obwohl dies noch relativ begrenzt ist. Sie können Zeichentrickfilme und Dokumentarfilme gut voneinander unterscheiden, aber bis circa neun Jahre haben sie weiterhin Probleme, die Unechtheit von Fantasy zu erkennen. Erst ab neun Jahren beginnen sie die fiktionale Art von Filmen und das Gestellte von Medienprodukten im Allgemeinen zu verstehen. Sich in andere hineinversetzen und sich abgrenzen zu können sind wichtige Bedingungen für das mögliche Auftreten von Medieneinflüssen. Bis neun Jahre können sich Kinder weniger gut in andere hineinversetzen. Das ist für die Verarbeitung potenziell schädlicher Bilder sehr wichtig, weil sie bis zu diesem Alter die Beweggründe für das Handeln der Figuren nicht richtig verstehen und die Konsequenzen aus dem Verhalten noch nicht erkennen können. Kinder bis neun Jahre haben häufig auch eine weniger gut entwickelte Selbstkontrolle als ältere Kinder. Dadurch sind sie eher geneigt, das gesehene Verhalten zu imitieren und dadurch die medialen Handlungen zu akzeptieren. Mehrere Studien haben ergeben, dass neunjährige oder ältere Kinder wesentlich kritischer gegenüber Werbespots, Gewaltfilmen und anderen Medienprodukten sind als Kinder mit acht Jahren oder jünger (Valkenburg, 2008).

+12

Potenziell schädlich für Kinder bis 12 Jahre.

In der Alterskategorie 12 können u. a. die folgenden Elemente vorkommen: eindringliche, harte Gewaltszenen, sehr verängstigte/leidende Menschen und ernste oder blutige Verletzungen/Leichen. Außerdem können häufig sexualisierte Sprache oder sexuelle Handlungen, diskriminierende Äußerungen und übermäßiger Konsum von Alkohol/weichen oder harten Drogen vorkommen. Beispiele für Filme in dieser Kategorie sind Twilight Saga und James Bond.
 
Zwölf Jahre ist für Cinecheck eine wichtige Altersangabe für Gewalt, beängstigende Szenen, Sexualität, Diskriminierung und Drogenkonsum. Zwischen zehn und zwölf Jahren schauen Kinder mit anderen Augen auf die Welt. Ihnen wird klar, dass Menschen zu bestimmten Gesellschaftsgruppen gehören und dass sich diese Gruppen voneinander unterscheiden. (Hoffman, 2000). Ab diesem Alter können Kinder andere Menschen und ihr Verhalten in Bezug zu ihrer gesellschaftlichen Gruppe oder Position setzen. Außerdem können sie ein bestimmtes Verhalten von Menschen durch den Kontext ihres gesellschaftlichen Hintergrunds verstehen und relativieren.

Ab zehn Jahren denken Kinder auch immer besser abstrakt und sie entwickeln ein Verständnis für abstraktere Arten von Humor wie Parodie, Ironie und Satire (McGhee, 1979; Selman, 1980). Kinder von neun bis circa zwölf Jahren können auch eine visuelle Repräsentation des Gesehenen erstellen und dessen abstrakte Bedeutung in ihre allgemeine (wenn auch noch begrenzte) Kenntnis ihrer Umwelt einfügen. In diesem Alter werden Kinder auch dank ihrer emotionalen Fähigkeiten kritischer gegenüber dem, was sie sehen und hören. Sie erwarten deshalb jetzt überzeugendere schauspielerische Leistungen, suchen nach Personen, die ihnen psychologisch ähnlich sind und interessieren sich immer mehr für „soziale Lehrstunden“ für ihre sozial-emotionale Entwicklung. Durch das abstraktere Denken sind Kinder auch gut in der Lage, die Kernbotschaft eines Films zu verstehen und Verbindungen zwischen früheren und späteren Szenen in Medienprodukten zu erkennen. Sie lassen sich auch nicht mehr von direkt erkennbaren Bedrohungen ängstigen und nutzen öfter als jüngere Kinder ihre kognitiven Fähigkeiten, um die Angst zu reduzieren. Sie können ihre Angst also besser begründen, das Risiko (nach)gespielter Bedrohungen besser einschätzen und sich bei ausreichenden Hinweisen auf die Unechtheit davon abgrenzen. Im Vergleich zu Jugendlichen sind neun- bis zwölfjährige Kinder aber dennoch leichter zu beeinflussen. Es dauert beispielsweise bis circa zum zwölften Lebensjahr, bevor sich Kinder auch ausreichend und begründet von abstrakteren Gefahren wie Kriegsgefahren in fernen Ländern oder anderen sehr realistisch anmutenden Bedrohungen abgrenzen können. Auch der Konsum von Drogen, das Auftreten von Diskriminierung und Sexszenen können bei Kindern unter zwölf Jahren noch immer zu unerwünschten Reaktionen und Gefühlen führen, weil sie diese Inhalte noch nicht richtig einordnen können.

+14

Potenziell schädlich für Kinder bis 14 Jahre.

Die Alterskategorie ab 14 Jahren ist neu. Diese Kategorie wurde eingeführt, weil Jugendliche im Alter um die 14 Jahre einer bedeutenden mentalen und kognitiven Entwicklung unterliegen. Rund um dieses Alter gelingt es ihnen besser, sich von bestimmten Bildern abzugrenzen („Adult Discount“), wodurch sie bestimmte beängstigende Inhalte und Gewalt besser relativieren können. Da in diesem Alter meistens die Pubertät einsetzt, hat sich das Interesse für und die Einstellung zu sexuellen Filminhalten ebenfalls verändert. Dadurch fühlen sich Jugendliche weniger unangenehm berührt. Weitere Informationen zu dieser Alterskategorie werden in Kürze ergänzt.

+16

Potenziell schädlich für Kinder bis 16 Jahre.

In der Alterskategorie 16 können u. a. die folgenden Elemente vorkommen: eindringliche, harte oder rücksichtslose Gewaltaktionen oder sexuelle Gewalt, stark beängstigende Bilder oder Gruseleffekte. In diese Alterskategorie fallen außerdem: viele massive sexuelle Handlungen, das Zeigen von (Details von) Genitalien während der Handlung oder übermäßiger Konsum von Alkohol/weichen oder harten Drogen, der positiv in Szene gesetzt wird. Beispiele für Filme in dieser Kategorie sind Django Unchained und Paranormal Activity.

Ab 12 Jahren nutzen Kinder Filme immer häufiger als soziale Lehrstunden und um zu sehen, wie Figuren tägliche Probleme, mit denen sie selbst kämpfen, lösen (Valkenburg, 2008). Vor allem Heranwachsende können sich stark mit realistischen Figuren identifizieren. Die späte Kindheit und Jugendzeit sind Phasen, in denen Kinder und Jugendliche sich ein Beispiel an bestimmten psychologischen und sozialen Eigenschaften von medialen Figuren, Helden und Idolen nehmen können. Erst ab dem Alter von zwölf Jahren können Kinder Empathie für andere gut von den eigenen Gefühlen unterscheiden und können diese Gefühle in einem moralischen Rahmen einordnen. Deshalb sind ältere Kinder im Vergleich zu Kindern unter zwölf Jahren besser in der Lage, beim Anschauen von allerlei Medieninhalten erwachsene Normen für Gut und Böse heranzuziehen. Das bedeutet aber nicht, dass Jugendliche allen Bildern problemlos folgen können. Die Medien zeigen Jugendlichen viele Beispiele für kriminelles Verhalten und es ist bekannt, dass Jugendliche, insbesondere Jungen, sich stark mit kriminellen Medienhelden identifizieren können (Nikken, 2007). Untersuchungen haben ergeben, dass kriminelles Verhalten bei Jungen im Jugendalter einen Spitzenwert erreicht und dann wieder abnimmt. Die größte Gruppe der jugendlichen Straftäter weist opportunistisches straffälliges Verhalten auf: Vandalismus, Ladendiebstahl und Schlägerei (Junger Tas, 2000). Risikoreiches straffälliges Verhalten scheint für Jugendliche attraktiv zu sein, weil sie per definitionem noch außerhalb der Gesellschaft stehen und noch nicht so viel zu verlieren haben wie Ältere.

Jugendliche sind in der Zeit des Heranwachsens auf der Suche nach einer neuen Identität und den dazugehörigen Grenzen. Sie sind in dieser Zeit gezielt auf der Suche nach Informationen und Ideen, die sie für diesen Prozess nutzen können. Die Medien und Medienhelden spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle (Strasburger, 1995). Weil bekannt ist, dass gerade Heranwachsende sich ein Beispiel an aggressiven Helden in den Medien nehmen können, haben wir bei Cinecheck bestimmte Arten von Gewalt mit der Altersangabe 16 Jahre verbunden. Es ist bekannt, dass Angst vor Gewalt und Horrorfilmen gerade im Jugendalter häufig auftritt.

Das lässt sich auf zwei Arten erklären. Erstens ist bei Kindern das Interesse an Spannung und Sensation im Jugendalter am größten (Zucker, 1979). Jugendliche probieren ihre Grenzen aus und suchen nach aufregenden und riskanten Aktivitäten. Das Anschauen von gewalttätigen Filmen und Horrorfilmen bietet Jugendlichen eine gute Gelegenheit, ihr Verlangen nach Sensation zu stillen. Zweitens ist der Einfluss von Altersgenossen (Peers) im Jugendalter am größten (Durkin, 1997). Jugendliche wollen einander oft in Bezug auf das Anschauen von aufsehenerregenden Filmen in nichts nachstehen. Manchmal kennen sie ihre Grenzen aber nicht gut genug und scheinen nach dem Anschauen eines bestimmten Horrorfilms langfristig Angst zu haben (Cantor, 2001). Viele dieser Filme wie Hannibal oder Der Exorzist sind auch für Erwachsene nur schwer zu verarbeiten. Diese Filme werden mit der Altersangabe 16 gekennzeichnet, weil wir annehmen, dass ältere Heranwachende und Erwachsene, die diese Art von Filmen nicht ertragen, selbst die Verantwortung dafür übernehmen können, sich diese anzuschauen oder nicht. Ab der Pubertät nutzen Jugendliche die Medien oft, um Informationen über Sexualität und Beziehungsaufbau zu finden. Filme liefern allerdings nicht immer ein korrektes Bild. Weil Jugendliche noch zu wenig Lebenserfahrung haben, können einige Darstellungen von Sexualität für Jugendliche unter sechzehn Jahren ein falsches Bild von angemessenem sexuellem Verhalten oder einer angemessenen Einstellung zu Männer und Frauen vermitteln (Nikken, 2009).

+18

Potenziell schädlich für Kinder bis 18 Jahre.

Diese Kategorie ist neu und wurde für Filme eingeführt, die extrem gewalttätig, beängstigend oder explizit sexueller Art sind. Weitere Informationen zu dieser Kategorie folgen in Kürze.